Berghaus

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Ein familientherapeutisches Angebot für Mütter und Väter

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„Nicht gegen den Fehler, sondern für das Fehlende.“ (P. Moor)

Die „Elternwerkstatt“ bietet Hilfe und Unterstützung für die umfassende und verantwortungsvolle Aufgabe der Erziehung von Kindern.
Sie richtet sich vorrangig an Väter und Mütter, deren Kinder/Jugendliche in unserer Einrichtung vollstationär untergebracht sind. Dies bezieht sich auf das Kinderheim in Oberböhringen, sowie die Dezentrale Wohngruppe in Geislingen (weibliche Jugendliche) und die Dezentrale Wohngruppe in Kuchen (männliche Jugendliche).
Grundsätzlich gehen wir im Umgang mit den Eltern davon aus, dass sie über Kompetenz zur Erziehung ihrer Kinder verfügen und ihr Bestes tun wollen. Auch wenn die Eltern oftmals in konflikthafte und widersprüchliche Beziehungsmuster mit ihrem Kind verstrickt sind, brauchen wir sie als eigene „Fachleute“, die uns helfen, ihr Kind verstehen zu lernen.
Das „Expertentum“ der Eltern in Bezug auf ihre Kinder wird anerkannt, benannt und im weiteren Vorgehen genutzt. Achtung und Wertschätzung für die Eltern und das Anerkennen, dass sie die wichtigsten Bezugspersonen für die Kinder sind, ist Vorraussetzung für ein partnerschaftliches Miteinander von Eltern und Einrichtung.
Jedes Kind, jeder Erwachsene entwickelt sein Selbstbewusstsein zunächst aus dem Wissen „um sich selbst“ - aus dem Kennen seiner Herkunft, seiner Geschichte, seiner „Wurzeln“, d.h. die Eltern, wie auch die Kinder, bringen aus ihrer Familiengeschichte Ressourcen zur Lebens–Gestaltung und -Bewältigung mit. Diese gilt es, in der „Elternwerkstatt“ zu entdecken, einzusetzen und positiv weiterzuentwickeln. Die Elternwerkstatt stellt eine Ergänzung zur pädagogischen Elternarbeit dar, wie sie als fortlaufender Prozess während des Heimaufenthaltes des Kindes bereits stattfindet.Diese Elternarbeit wird vorwiegend vom Bezugspädagogen/In gestaltet und bezieht sich auf das Alltagsgeschehen um das Kind. In den „Tür- und Angelgesprächen“ und regelmäßig vereinbarten Elterngesprächen geht es z.B. um Termine, Besuchskontakte, Reflektion von Besuchen zu Hause, Situation des Kindes in der Gruppe.

Ziele der Elternwerkstatt für die Eltern
• Entwicklung und Stärkung der Erziehungskompetenz
• Entdeckung von persönlichen Ressourcen
• Neue Konfliktlösungsstrategien entwickeln
• Übernahme von Erziehungsverantwortung
• Klarstellen meiner Rolle als Mutter/Vater
• Erarbeitung des Programms: Erkennen – „Welche Verhaltensmuster habe ich? Was habe ich in meiner Herkunftsfamilie an „goldenen Regeln“ gelernt?“ (Arbeit mit dem Genogramm)
• Ausbrechen aus „alten“ Verhaltensmustern
• Aktivierung von Handlungsweisen aus dem eigenen System, die nicht der Problemerhaltung und -erzeugung dienen. Entdecken, welche Bedeutung das Problem für die Familie hat, weg von der Schuldfrage
• Bearbeitung von aktuellen Problemstellungen und Konflikten
• Reflektierte Selbst- und Fremdwahrnehmung in der Gruppe
• Wie kann ich „guter“ Vater und „gute“ Mutter sein, trotz Fremdunterbringung meines Kindes?
• Förderung, Entwicklung und Überprüfung von erzieherischen Wertvorstellungen
• Stärkung und Abstimmung des gemeinsamen erzieherischen Verhaltens des Vaters und der Mutter, bzw. der an der Erziehung Beteiligten
• Vermittlung von pädagogischem Grundwissen („Was braucht mein Kind in der entsprechenden Altersstufe?“ - Merkmale verschiedener Entwicklungsstufen)
• Persönlicher und „thematischer“ Austausch der Eltern untereinander
• Kennenlernen der pädagogischen Haltung und Arbeit der Einrichtung
• Teilnahme an aktuellen Themen, die in der Einrichtung bearbeitet werden

Ziele für das Kind
• Entwicklung einer Vertrauensbasis zwischen den Eltern und der Einrichtung, die sich positiv auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes in der Einrichtung und zu Hause, auswirkt. Das Kind kann die Eltern und die Erzieher/Innen als gemeinsame und kompetente Erziehungsinstanz erleben und braucht selbst keine Energie, um Spannungen dazwischen auszuhalten und für die „Vermittlerrolle“.
• Verhinderung des „Drama-Dreiecks“ (Familie-Kind-Heim)
• Wertschätzung in Bezug auf ihre Eltern entwickeln
• Die Eltern sollen zu sicherheitgebenden Bezugspersonen werden und wirken somit stabilisierend für die Kinder
• Erhalt und Entwicklung ihrer Rolle als Kind in ihrer Herkunftsfamilie
• Positive, andere Erfahrungen mit den Eltern ermöglichen
• Stabilisierung der häuslichen Situation bei anstehender Rückführung, evtl. Verkürzung der Heimunterbringung
• Kinder erleben ihre Eltern auch als Lernende

Inhalte
• Erlaubnis geben, Fehler machen zu dürfen
• Wertvorstellungen in Erziehung bewusst machen
• Eigene Erfahrungen aktivieren:
  · Wie habe ich meine Erziehung erlebt?
  · Was habe ich von Vater und Mutter bekommen?
  · Was hätte ich mir gewünscht?
  · Was habe ich mir als Vater/Mutter aufgrund meiner eigenen Erfahrungen vorgenommen bzw. vorgestellt?
• Symptome machen Sinn - das Kind und sein Verhalten im Beziehungskontext der Herkunftsfamilie verstehen lernen (Systemische Familientherapie)
• Welches Maß an Verantwortung gehört zu wem? Verantwortlichkeiten der Eltern, Verantwortlichkeiten des Kindes; Ebenen im Familiensystem – Rollen – Grenzen

Fachliche Begleitung
Die Elternwerkstatt als familientherapeutisches Angebot wird von Fachkräften mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung durchgeführt.
Die Seminare werden von einer Familientherapeutin und einem Psychologen geleitet, die von anderen Fachkräften (z.B. für den Kreativteil) unterstützt werden.
Durch „außenstehende“ Therapeuten sind bessere Arbeitsbedingungen mit den Eltern in einem geschützten Rahmen vorhanden. Der Konkurrenzgedanke mit denen, die direkt mit dem Kind arbeiten und oft als „bessere Eltern“ erlebt werden, bleibt
außen vor.
Auch die Kinder und Jugendlichen befinden sich in keinem Loyalitätskonflikt zwischen ihren Eltern und dem Fachteam der Seminare.

Methoden und therapeutische Grundhaltung
• Neutralität / Allparteilichkeit
• Ausgewogenheit zwischen Vertrauen und Distanz
• Würdigung und Wertschätzung
• Selbstverantwortung der Eltern
• Expertentum der Eltern

Methoden
Die Arbeitsmethoden kommen vor allem aus der Systemischen Familientherapie,
dem lösungsorientierten Ansatz:
• Refraiming
• positives Konnotieren von Verhaltensweisen in der Familie
• Identifikationsmöglichkeit mit weiblicher und männlicher Rolle, durch männliche und weibliche Fachkraft
• Skalierungsfragen
• Fragen nach Ausnahmen
• Wunderfragen
• Entwicklung und Veränderung von Zielen
• Erweiterung des Lösungshorizonts, Fragen nach Ressourcen und Möglichkeitskonstruktionen
• Bedeutung triadischer Beziehungen in der Familie
• Arbeit mit Familienkarten (Genogrammarbeit)
• Skulpturarbeit
• Zirkuläres Fragen zur Arbeit an den Familienwirklichkeiten
• Arbeit mit Metaphern, Geschichten und Märchen
• Visualisierung von Zusammenhängen

Werkstatt – Struktur
Die „Elternwerkstatt“ steht auf drei „Säulen“, auf denen sich der Seminartag aufbaut:
Eine Säule bezieht sich auf Wissensvermittlung von erzieherischen und entwicklungsrelevanten Notwendigkeiten (z.B. “Welche Bedürfnisse hat mein Kind in einer
bestimmten Altersstufe?“).
Eine andere „Säule“ umfasst die Selbsterfahrung der Eltern, die z.B. anhand von Themen, welche die Eltern selbst einbringen, möglich wird.
Die dritte „Säule“ sind die spezifischen Erfahrungen, die sich im Kreativteil entwickeln. In diesen Teil, werden nach Thematik, die Kinder mit einbezogen.
„Hand“, „Herz“ und „Kopf“ sollen sich an diesem Tag abwechseln. Durch dieses gezielte Ansprechen des kognitiven, emotionalen und körperlichen Bereichs entsteht
eine ganzheitliche Wahrnehmung, mit der eigene Anteile neu entdeckt werden können.

Ein „Werkstatt-Tag“ hat in der Regel folgende Struktur:
• gemeinsamer Begrüßungskreis in der Einrichtung mit Eltern, Kindern, Erziehern und den Therapeuten
• Vorstellungs– und Kennenlernrunde der Eltern und des Therapeutenteams
• Themensammlung und Anliegen der Eltern
• Themenvorschlag des Fachteams
• Arbeitseinheit bezogen auf die entsprechenden Themen
• Mittagspause und gemeinsamer Spaziergang mit Eltern und Kindern
• Kreativteil mit anschließender Auswertung
• Themenbezogener Arbeitsteil
• Schlussrunde mit Feed-Back und Gesamtauswertung

Finanzierung
Die „Werkstattseminare“ werden über Individuelle Zusatzleistungen finanziert.
In den Kosten sind enthalten: Therapeutenhonorar, Materialkosten, Raummiete, Tagesverpflegung

Gruppengröße: Die Gruppe sollte eine Größe von ca. 12 Personen nicht übersteigen
Beginn: Oktober 2001
Stand: 06/2009